Die gängigsten Büromythen widerlegt

June 09, 2021

Andrea Cramer

Es gibt viele, leider sehr hartnäckige Mythen rund um den Arbeitsplatz und die Bürokultur. Obwohl fast alle inzwischen widerlegt werden konnten, stecken sie in den Köpfen von Unternehmern und Führungskräften fest. 


Wir leben heute in einer sehr modernen und digitalen Welt und entsprechend müssen wir umdenken, was die Art und Weise betrifft, wie wir arbeiten. Die Covid-Pandemie hat dem Thema Arbeitskultur in Büros noch einmal ordentlich eingeheizt. Was früher für viele alteingesessene Betriebe unmöglich war, ist heute Notwendigkeit geworden.

Mythos 1: Länger arbeiten heißt mehr Produktivität

Sie sind die erste Person im Büro und verlassen es als letzte. Tag ein Tag aus. Wer viel arbeitet und so viel Zeit im Betrieb verbringt, der schafft viel, oder? Falsch! Dies kann genauso gut bedeuten, dass Sie nicht produktiv genug sind, Ihre Arbeit nicht effektiv einteilen oder schlichtweg zu langsam arbeiten. 


Zudem sind Mitarbeiter, die viele Überstunden machen, gesundheitlich besonders gefährdet. Ein Burnout steht praktisch vor der Türe. Was sagen Familie und Freunde dazu, dass Sie nie Zeit haben? 


Die skandinavischen Länder machen es vor: So hat Schweden in einigen Großbetrieben die 6-Stunden-Woche eingeführt – und das mit großem Erfolg! Bei gleicher Bezahlung wird nun weniger gearbeitet. Dies motiviert die Arbeitnehmer so sehr, dass sie in weniger Zeit viel mehr schaffen. 


Das 9-5-Modell ist längst überholt. 40 Stunden und mehr in der Woche zu arbeiten heißt nicht, dass in dieser Zeit auch wirklich etwas bewältigt wird. Ein motivierter und gut organisierter Mitarbeiter kann in drei Stunden so viel schaffen wie ein demotivierter in zwei Tagen. 


Untersuchungen haben ergeben, dass Mitarbeiter, die weniger als acht Stunden am Tag arbeiten und regelmäßige Pausen einlegen, erheblich produktiver sind als diejenigen, die immer beschäftigt zu sein scheinen. 


Lassen Sie sich als Führungskraft nicht in die Irre führen! Ihr vermeintlich bester Mitarbeiter, der immer da zu sein scheint und viele Überstunden macht, kann durchaus Ihr Schlechtester sein! Erfolg und Produktivität lassen sich nicht anhand der Zeit messen, die ein Arbeitnehmer im Büro verbringt. 


Mythos 2: Für mehr Geld machen Mitarbeiter alles 

Der Verdienst mag eine nicht unwichtige Rolle dabei spielen, wie viel sich manche Arbeitnehmer gefallen lassen oder welchen Job sie ausüben. Auf Dauer werden sie jedoch unzufrieden und damit unproduktiv werden. 


Geld mag ein vorübergehender Anreiz sein, auf Dauer wirkt es jedoch nicht. Passen die anderen Umstände nicht, dass der Mitarbeiter beispielsweise nicht genügend gefördert wird oder die Anerkennung fehlt, wird er früher oder später kündigen. 


Was wirklich für einen positiven Anreiz sorgt, ist Zufriedenheit, Anerkennung und Erfolg im Beruf. Dafür nehmen die meisten eine geringere Entlohnung in Kauf.


Mythos 3: Niemand liebt seine Arbeit

Aufstehen, arbeiten, schlafen, wiederholen. So scheint unser Leben nun mal zu sein. Die Stunden, die wir am Arbeitsplatz verbringen, dienen schließlich dazu, die Familie zu ernähren, ein Dach über den Kopf zu haben und sich Statussymbole leisten zu können. Der einzige Lichtblick: das Wochenende und der Urlaub.


Zum Glück tut sich diesbezüglich so manches. Karriere-Coaches können sich vor Arbeit kaum noch retten, alternative Lebensweisen boomen und immer mehr fragen sich: Was ist der Sinn meines Lebens?


Wer als Unternehmen nicht auf diesen Zug aufspringt, wird mit einem erheblichen Problem zu kämpfen haben, da sich die meisten Mitarbeiter bereits nach kürzester Zeit wieder von ihnen abwenden.


Flexible Arbeitszeiten, innovative Arbeitsplätze, die viel Bewegung und Kreativität erlauben, das Fördern und Fordern von Individuen und Freiraum gewähren – das Büromodell der Zukunft. Damit werden die Angestellten ihre Arbeit lieben, gerne ins Büro kommen und auch mal mehr tun, als von ihnen verlangt wird. 


Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter als Individuen behandeln, mehr Entscheidungskraft und Freiraum überlassen, sorgen dafür, dass diese ihre Arbeit mit Freude erledigen. Damit steigen die Produktivität, Motivation und somit auch der Erfolg. 


Mythos 4: Wer Spaß bei der Arbeit hat, ist unproduktiv

Ja nicht mit den Kollegen lachen und während der Arbeitszeit Spaß haben! Sonst denkt der Chef, man tut nichts. Dies ist eines der schrecklichsten Mythen am Arbeitsplatz, welches nicht nur für eine miese Stimmung sorgt, sondern tatsächlich auch den Unternehmen schadet. 


Lachen ist gesund, es beugt Stress und Depressionen vor und hebt die allgemeine Laune. Natürlich soll das nicht heißen, dass Sie damit andere bei ihrer Arbeit stören, doch nehmen Sie nicht immer alles so ernst. 


Unternehmen, die Möglichkeiten zur Unterhaltung bereitstellen wie beispielsweise Tischfußball, an dem sich die Mitarbeiter abreagieren und Spaß haben können, fördern die Produktivität und Kreativität der Angestellten ungemein. 


Mythos 5: Ein ergonomischer Arbeitsplatz allein genügt

Es ist schließlich gesetzlich geregelt, für einen gesunden Arbeitsplatz zu sorgen. Somit scheut das Unternehmen weder Aufwand noch Kosten, um ihn so gesund wie möglich einzurichten. 


Es werden höhenverstellbare Tische gekauft, Bürostühle mit Rückensupport, augenfreundliche Bildschirme und ergonomische Tastaturen.


Doch damit alleine wird keine Arbeitsumgebung geschaffen, die für Zufriedenheit bei den Mitarbeitern sorgt. Noch wichtiger als die Entlohnung ist die Verantwortung und das Vertrauen, welches ihnen entgegengebracht wird, das Verständnis und die Anerkennung. 


Mythos 6: Großraumbüros sind effektiver

Dies ist ebenfalls ein sehr hartnäckiger Mythos, welches sich einfach nicht aus manchen Köpfen entfernen lässt. Großraumbüros sind laut, bieten keine Privatsphäre, die Mitarbeiter können sich kaum konzentrieren und die Raumluftqualität lässt oft zu wünschen übrig – um nur ein paar der wichtigsten Nachteile zu nennen.  


Spätestens Covid-19 sollte gezeigt haben, dass Großraumbüros zudem ein Gesundheitsrisiko darstellen. Unternehmen argumentieren damit, dass das gemeinsame Arbeiten auf einer großen Fläche die Kommunikation fördert. 


Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist. Der Grund: Umherlaufende Mitarbeiter, die mit den Tischnachbarn plauschen, werden als Störung empfunden. Somit greifen die meisten auf digitale Kommunikation zurück, während Sie ansonsten im Büro des Kollegen vorbeigegangen wären. 


Mythos 7: Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten weniger

Es sitzt noch immer fest in den Köpfen der Führungsriege: Ich kann den Mitarbeiter nicht sehen, also gehe ich davon aus, er tut nichts. Das Gegenteil ist der Fall! Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten, sind konzentrierter, motivierter und zufriedener. 


Die gesündere Work-Life-Balance sorgt dafür, dass bei vielen von zu Hause aus mehr gearbeitet wird. Einige haben sogar das gegenteilige Problem, dass die Arbeit zu nahe am privaten Alltag ist und sie somit viel zu viel Zeit arbeitend verbringen.


Ob ein Mitarbeiter produktiv ist oder nicht, hängt nicht davon ab, wo er sich befindet, sondern wie organisiert und motiviert er ist. Idealerweise sollten Betriebe eine Mischung aus Büro und Homeoffice anbieten, wie zum Beispiel drei Tage vor Ort, zwei Tage im Homeoffice. 


Diese Balance ist ideal für beide, denn auch der persönliche Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten ist wichtig für die Zufriedenheit im Arbeitsleben. 


Mythos 8: Je mehr Aufgaben ein Mitarbeiter hat, desto produktiver ist er

Wenn ein Arbeitnehmer bereits um 15 Uhr mit seiner Arbeit fertig ist und diese gewissenhaft und in einer guten Qualität erledigt, hat er offensichtlich nicht genug zu tun. Mit diesem Denken strafen Sie diejenigen, die effizienter und produktiver arbeiten als andere.


Statt diese mit noch mehr Aufgaben zu belasten, sollten sie für die hervorragende Arbeit belohnt werden. Dies muss nicht heißen, ihn nach Hause zu schicken, wobei dies ebenso sehr effektiv wäre. 


Warum motivieren Sie ihn nicht dazu, seine Techniken und Arbeitsweisen mit anderen zu teilen oder Sie involvieren ihn in wichtige Geschäftsabläufe, die optimiert werden müssen. Damit fühlt er sich anerkannt und motiviert und sorgt zudem bei seinen Kollegen für mehr Produktivität. 




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